Tausche Kamera gegen Löwen
In engen Windungen schlängelt sich der Mara River durch die Masai Mara. Am
linken Ufer trottet eine große Herde Gnus mit hängenden Köpfen grasend durch
die Steppe. Hin und wieder hebt eines der Tiere abrupt den Kopf, um zu
horchen, dass die Herde noch sicher ist und nicht zum gefundenen Fressen für
Löwen oder Geparden wird, die ihnen hier gerne auflauern. Zwei junge Zebras
tollen in der warmen Mittags-Sonne und messen ihre Kräfte, der Rest Zebras
widmet sich dem goldgelben Gras der Mara. Denn zum Grasen sind sie wie 1,2
Millionen anderer Gnus und Zebras wie jedes Jahr im Juli aus der Serengeti
in die Masai Mara nach Kenia gekommen.
Die Gäste des Mara Timbo Camps können das Schauspiel der Tiere auf der
anderen Seite des Flusses bequem aus der Lounge des Camps verfolgen. Dazu
das entspannende Rauschen des Wassers an den zwei Stromschnellen des
Flusses, das gelegentlich durchbrochen wird vom tiefen Grunzen eines der 70
Flußpferde, die sich in der Flußschleife direkt vorm Camp tummeln.
Das Mara Timbo Camp ist mit nur sieben Gästezelten ein sehr kuscheliges
Safari-Camp der Luxusklasse, gelegen direkt in der weltberühmten Masai Mara,
mit Personal Butlern für jedes Gäste-Zelt, exquisiter Küche und geführt von
der deutschen Ex-Fernsehmoderatorin Michaela Papke, in ihrem ersten
Leben Moderatorin beim RTL-Frühstücksfernsehen und später für „Die Redaktion“
bei RTL 2 und ihrem Ehemann Klaus, ebenfalls langjähriger Fernsehproduzent bei ProSieben.
Vor eineinhalb Jahren hängten die beiden von heute auf morgen ihren Beruf an den Nagel und stampften in nicht einmal einem dreiviertel Jahr Bauzeit das Mara
Timbo Camp aus dem Boden.
Dabei lief die eigene gemeinsame
Fernseh-Produktionsfirma MediaWork TV gut, Sohn Tim gedieh prächtig und die
Familie fühlte sich rundum wohl in ihrer Wahlheimat vor den Toren Münchens,
im oberbayerischen Herrsching am Ammersee. "Wir hatten keinen Grund alles
aufzugeben!" erinnert sich Michaela, "aber Kenia hat es uns einfach
verzaubert!"
Schon zuvor waren die Wilken´s viel gereist. Michaelas Ehemann Klaus: "Wir
wollten nicht warten bis wir alt und gebrechlich sind oder unser Sohn
irgendwann mal die Schule beendet hat. Also fällten Michaela und ich nach
einem Kurzurlaub in der Toskana mitten auf dem Brenner die Entscheidung,
´wir wollen durchgehend reisen bevor Tim in die Schule muss." Schon die
ersten Versuche der beiden Journalisten den Lebensunterhalt auch auf Reisen
zu verdienen waren überraschend positiv. Ein halbes Jahr produzierten die
Wilkens 2005 von Spaniens Costa del Sol aus Unmengen Filme für den Natur-
und Umweltsender Terra Nova. Und 2006 tingelte die ganze Familie ein halbes
Jahr durch Ecuador, Chile, Argentinien und Brasilien. "Während der
Südamerika-Reise hatten wir von unterwegs Aufträge akquiriert, und von
unserer Redaktion in Deutschland abdrehen lassen. Übers Internet haben wir
diese Filme dann in den hinterletzten Internet-Cafes in Südamerika
abgenommen. Die Sender hatten meist keine Ahnung davon, dass wir irgendwo
mitten im Amazonas steckten" lacht Michaela schelmisch.
Die sechswöchige Keniasafari im Januar 2007 war gedacht als Afrika-Teil der"Weltreise in Etappen". "Aber dann sind wir klassisch in Kenia kleben
geblieben, weil uns Land und Leute so imponiert haben." Die Safari war
traumhaft, die Lodges, in denen wir übernachtet haben, waren hübsch und
nicht gerade billig", erinnert sich Geschäftsmann Klaus. Nach der Hälfte der
Safari bat das deutsche Ehepaar ihren Fahrer nicht immer nur bei Zebras und Löwen zu stoppen, sondern auch bei Bauholz und Steinen, um die Preise zu recherchieren.
Den richtigen Platz für ihr Camp fanden die beiden Fernsehmacher in der
weltberühmten Masai Mara. Kaum sonst wo auf der Welt haben Tierliebhaber die
Chance, alle Tiere der sog. "Big Five" auf einmal hautnah zu erleben, also
Elefanten, Nashörner, Büffel, Leoparden und Löwen. Außerdem startet in
der Masai Mara jedes Jahr ab Anfang Juli die "Migration", bei der 1,2
Millionen (!) Gnus, Zebras und Antilopen aus Tansania zum Grasen über die
grüne Grenze in Kenias Masai Mara wandern. Eines der größten
Naturschauspiele der Welt, wo Monster-Krokodile im Mara Fluss schon hungrig
auf die Gnus warten.
Unterhalb des Höhenzuges, wo der Kenia-Klassiker "Out of Africa" gedreht
wurde, pachteten die Wilkens ein 200.000qm großes Grundstück und beschlossen ihrem luxuriösen Safari Camp den Namen "Mara Timbo Camp" zu geben. "Gewidmet unserem kleinen Sohn Tim", verrät Michaela. "Da wussten wir aber noch nicht, dass ´Tembo` in Swahili ´Elefant` bedeutet. Nun müssen wir unseren Gästen ständig erklären, dass der Name unseres Mara Timbo Camps kein Schreibfehler ist!"
Schon die Bauarbeiten für das Safari-Camp waren Abenteuer pur. "Von wegen
mal eben in den Baumarkt nebenan gehen und Holz, Nägel und Zement
einkaufen!" erinnert sich Klaus. "Michaela und ich haben alles selber
entworfen und bauen lassen müssen, weil wir nirgendwo in Kenia so schnell Möbel,
Bettdecken oder Gardinen bekommen konnten, wie wir es haben
wollten." So entstand die gesamte Inneneinrichtung der Luxuszelte, alle
Betten, Regale, Tische, Truhen, Gardinen und sogar die Bettwäsche im Garten
unseres Mietshauses in Nairobi. Da haben drei Monate lang 35 Schreiner und vier
Schneiderinnen tagtäglich gehämmert und genäht", erinnert sich Klaus.
Auch die großen Gäste-Zelte entstanden am Laptop, konzipiert mit einem
Powerpoint-Programm. "Wir hatten bis dahin noch nie irgendwas gebaut. Und
dann sind wir mit unseren dynamischen Entwürfen zu den kenianischen
Handwerkern gegangen und haben gesagt: So wollen wir das!" lacht Michaela.
"Manche haben uns für völlig verrückt gehalten. Aber letztlich haben wir
bekommen, was wir wollten."
Die Wilkens teilten sich die Aufgaben. Während Klaus im Busch als Architekt
und Bauleiter in einer Person Dampf machte, kaufte Michaela in den
abenteuerlichen Industriegebieten Nairobis Baumaterialien und sorgte für den
Nachschub. "Alles musste aufwändig und bruchsicher für den Transport auf der
400 km langen, staubigen Buckelpiste in den Busch verpackt werden: lange
Bauhölzer, Abfluß-Rohre, Zelte, ebenso wie große Spiegel, Badewannen,
Glaswaschbecken, denn das nächste Geschäft ist von unserem Camp 2,5 Stunden
entfernt, einfache Fahrt."
"Und plötzlich arbeiteten auf der Baustelle 120 Mann, weil hier alles per
Hand gemacht wird. Was uns beim letztlich Bau geholfen hat, ist zum einen,
dass wir als Fernsehproduzenten gewohnt waren, logistisch alles genauestens
vorzubereiten, und zweitens dass ich als kleiner Junge zwischen Holz und
Stoffen aufgewachsen bin, denn mein Vater war Tischler, meine Mutter
Schneiderin. Als Kind musste ich den beiden immer helfen. Und da war doch
mehr Know How hängen geblieben, als ich vermutet hatte", freut sich Klaus.
In nur drei Monaten Bauzeit zwischen Oktober und Dezember 2007 gelang es den
beiden Deutschen das Camp in die Masai Mara zu setzen. "Wir wollten in der
ersten Januarwoche eröffnen und hatten auch schon Buchungen. Aber dann kamen
die Wahlen und alles war anders", raunt Michaela. Niemand in Afrika hatte
mit Unruhen in Kenia gerechnet, am wenigsten die Kenianer. Das Land galt als
Vorzeige-Wirtschaft für ganz Ostafrika, mit hohen Wachstumsraten, vor allem
in der Touristikbranche. Und der Bedarf an Unterkünften in der Masai Mara
für Touristen auf Safari war um ein Vielfaches höher als tatsächlich
vorhandene Betten.
Doch nach den Unruhen im Januar blieben die Touristen erst einmal aus und
die Eröffnung des Mara Timbo Camps auf Juli verschoben. "Wir haben seitdem
schon viele Gäste aus Deutschland, England und den USA beherbergt", sagt
Michaela stolz, "und das Feedback auf unser Camp ist überwältigend. Die Lage
direkt am Fluß mit den vielen Hippos, unsere freundlichen weiblichen
Personal Butler und die Küche bekommen sehr viel Lob.“